|
Telearbeit ist eine Arbeitsform der Zukunft. Es gilt, sich bietende Potential besser als bisher zu erschließen.
Derzeit bestehen in Deutschland rd. 800.000 Telearbeitsplätze; möglich ist die Schaffung von rd. 2 bis 4 Mio. Arbeitsplätzen. Nach einer Studie der Fraunhofer Gesellschaft machen in Deutschland Telearbeitsplätze erst einen Anteil von 2,2 % am Arbeitskräftepotential aus, demgegenüber in Großbritannien/Irland 14 % und in den USA 8,7 %. Telearbeit ist nicht nur eine Arbeitsform für junge, alleinerziehende Frauen, sondern fast 2/3 der Arbeitsplätze sind für Männer eingerichtet. Des weiteren ist Telearbeit für alle Altersklassen möglich und wird auch von diesen gleichermaßen angenommen. Sie ist nicht nur für einfache Tätigkeiten geeignet.
Über 1/3 der Teilnehmer gehören zum Management und fast 2/3 verfügen über ein abgeschlossenes Studium. Zunehmend werden qualifizierte Sachbearbeitungs-, Planungs- und Managementaufgaben in Telearbeit durchgeführt. Ein weiteres, künftig beträchtlich anwachsendes Anwendungsfeld dürften telefonische Dienstleistungen wie
Telemarketing, telefonische Auftragsannahme und Kundenservice sein. In jedem dritten Unternehmen ist Telearbeit grundsätzlich möglich, und in diesen Unternehmen kann fast jeder zehnte Beschäftigte betroffen sein. Auch ist bisher nicht bestätigt die Befürchtung, daß die Telearbeit zu einer Isolation der Arbeitnehmer führen könnte. Eindeutig bevorzugt wird die zwischen Wohnung und Betrieb alternierende Telearbeit. Bei der Beratung über die Einrichtung von Telearbeitsplätzen geht es darum, die Vorteile dieser Arbeitsform herauszustellen und die Risiken aufzuzeigen und zu minimieren.
Zu den allgemeinen Gründen für Unternehmen, Telearbeit einzuführen, sind nach Untersuchungen des Bundesarbeitsministeriums:
- Nachfrage der Mitarbeiter (innen) 53,3 %,
- Produktivitätssteigerung 52,0 %,
- Betreuung von Kindern 45,3 %,
- größere Kundennähe 36,0 %,
- Arbeitszeitflexibilisierung 33,3 %,
- Einsparung von Wegezeiten 33,3 %,
- Kostensenkung 30,7 %,
- Einsparung von Büroflächen 24,0 %,
- ungestörtes Arbeiten 21,3 %,
- Sonstiges 20,0 %,
- Bereitschaftsdienst 18,7 %,
- Behinderung 8,0 %,
- Verringerung von Fluktuation und Krankenstand 2,7 %,
- Rehabilitations-Maßnahmen 2,7 %.
Vorteile der Telearbeit sind:
- Produktivitätssteigerung mit Steigerungsraten von 10 % bis 60 %;
- verbesserte Konzentrationsfähigkeit der Beschäftigten, indem Störungen wegfallen, z.B. eines Großraumbüros, oder die Arbeitszeit an persönliche Leistungskurven und Biorhythmus angepaßt werden kann;
- bessere Arbeitsqualität der Beschäftigten; Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort und dadurch bedingter Erhalt von Beschäftigten (Bindung von Beschäftigten an das Unternehmen) bzw. Zugang zu Beschäftigten (z.B. zu Beschäftigten aus ländlichen Räumen, die ihren Wohnort beibehalten möchten);
- flexible Personalplanung, indem Beschäftigte bei Arbeitsspitzen einbezogen werden können, ohne daß sie zum Arbeitsplatz in die Zentrale kommen müssen;
- geringere Mitarbeiterfluktuation;
- bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Privatleben und Berufsleben (z.B. durch die Möglichkeit der Kinderbetreuung oder flexible Zeiteinteilung bei außerhäuslichen Kinderbetreuung, Pflege älterer Familienangehöriger usw.);
- Einsparung von Sozialleistungen, beispielsweise des Essens- oder Fahrgeldzuschusses;
- geringerer Krankenstand durch zufriedene und motivierte Beschäftigte (die Abwesenheitsrate von Telebeschäftigten liegt um 25 % niedriger als die nur an einem Arbeitsort Beschäftigen);
- stärkere Kundenorientierung beispielsweise im Außendienst, wenn die Beschäftigten entsprechend technisch ausgestattet sind, um vor Ort sofort ein Angebot unterbreiten zu können;
- organisatorische Flexibilität des Unternehmens (beispielsweise Überdenken der betrieblichen Organisation, z.B. Gestaltung des Arbeitsprozesses, Unterschriftenregelung u.ä.),
- Beschleunigung von Unternehmensprozessen durch verstärkte Nutzung von IuK-Technologien, beispielsweise
Groupware;
- Verbesserung des Unternehmensimages beispielsweise durch Werbung mit Telearbeitsplätzen, mit der nicht nur die bestehende Unternehmenskultur, sondern auch das innovative Denken des Unternehmens zum Ausdruck gebracht wird sowohl beim Personal als auch bei den Kunden und Lieferanten.
Kostenfaktoren: Als Kostenfaktoren sind insbesondere zu berücksichtigen: Projektplanung und -koordination, Evaluation, Informations- und Kommunikationstechnik, wie PC, Fax, Tel. für Telearbeitsplätze und unternehmensintern, Wartung/Betrieb einer Hotline, Telekommunikationskosten, Ausstattung des häuslichen Arbeitszimmers, Transport, Energie, monatliche Aufwandspauschale, Schulung/Qualifizierung, Koordinationskosten, Organisationsaufwand, externe Dienstleister, Botendienst.
Nutzenfaktoren: Mögliche Nutzenfaktoren durch die Einführung von Telearbeit sind: Einsparung von Miete, Energie, Reinigung usw. für Büroraum, Einsparung von Sozialleistungen wie Essenszuschuß, Fahrgeldzuschuß, Verringerung der Fluktuation im Unternehmen und damit Reduzierung der Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten, Verbesserung/Optimierung von Unternehmensprozessen, höhere organisatorische Flexibilität, höhere Produktivität der Beschäftigten, Nutzung externer Kapazitäten für den Spitzenausgleich, Erschließung von zusätzlichen Arbeitskräftepotentialen durch Einbindung von Erziehungsurlauber(innen), Verbesserung der Arbeitsqualität/Reduzierung der Fehlerraten u.a. durch erhöhte Konzentration, verbesserter Kundenservice, verbessertes Unternehmensimage, dadurch beispielsweise auch verbesserter Zugang zum Arbeitsmarkt, bessere Akquisition neuer Kunden und Lieferanten.
Geeignete Tätigkeitsbereiche :Geeignete Tätigkeitsbereiche (klassische Tätigkeitsprofile) sind z.B.: Unterstützungsbereich wie Sekretariatsdienste, Text-/Datenerfassung, Schreibdienst; Sachbearbeitung wie Antragsbearbeitung, Archivierung, Buchhaltung, Dokumentation, Exportabwicklung, Fernwartung, Telefonmarketing, technische Informationsdienste, Vertrieb und Kundenbetreuung; spezifische Tätigkeitsbereiche wie allgemeine Managementaufgaben, Beratungstätigkeiten, Controlling, Datenbankentwicklung, digitale Text- und Bildbearbeitung, Grafik und Design, gutachterliche Tätigkeiten, Forschungstätigkeit, Informationsdienste/-vermittlung, Journalismus/Autorentätigkeit, Konstruktion, Kundenberatung, Maklertätigkeiten, Online-Publishing, Planungstätigkeiten, PR-Tätigkeiten, Produktgestaltung, Programmierung, Systemanalyse, Übersetzungen, Wertpapierhandel, Vorbereitung von Lehre, Schulungen und Seminaren.
Für die Zukunft wird ein weiterer Anstieg der insbesondere für Telearbeit geeigneten Tätigkeiten erwartet, wie für die Bereiche Organisation/EDV und Vertrieb/Außendienst..(Quelle: Jäger/von Briel, Anwaltshandbuch zur rechtlichen Beratung von Unternehmen,Stand: August 1999)
|